Longevity-Wissen

Langlebigkeit: Was Statistik und Biologie über ein langes Leben verraten

Langlebigkeit – im Englischen Longevity – beschreibt, wie lange Menschen leben und unter welchen Bedingungen sie sehr alt werden. Hier finden Sie aktuelle amtliche Zahlen für Deutschland, Österreich und die Schweiz, den Forschungsstand zur Rolle der Gene und eine kritische Einordnung der Blue Zones.

6 Min. Lesezeit Aktualisiert am Redaktion longevity-firma.de

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Älteres Paar wandert gut gelaunt auf einem Küstenweg

Das Wichtigste in Kürze

  • 2025 lag die Lebenserwartung bei Geburt in Deutschland bei 83,6 Jahren (Frauen) und 79,1 Jahren (Männer).
  • Im DACH-Vergleich ist sie in der Schweiz am höchsten: 86,3 und 82,7 Jahre (vorläufige Werte 2025).
  • Das höchste dokumentierte Alter erreichte die Französin Jeanne Calment mit 122 Jahren.
  • Wie stark Gene die Lebensdauer prägen, ist umstritten: Schätzungen reichen von unter 10 bis rund 50 Prozent.
  • Blue Zones sind populär, die Altersangaben dort werden in der Forschung aber teils angezweifelt.
Inhalt dieser Seite
  1. Langlebigkeit und Longevity: zwei Wörter, ein Thema
  2. Wie hoch ist die Lebenserwartung in Deutschland, Österreich und der Schweiz?
  3. Gesunde Lebensjahre: die zweite wichtige Zahl
  4. Rekorde und Hundertjährige: Wie alt können Menschen werden?
  5. Gene oder Lebensstil: Wie viel Langlebigkeit ist erblich?
  6. Blue Zones: Vorbild oder Mythos?
  7. Was die Zahlen für Ihren Alltag bedeuten
  8. Langlebigkeit live erleben

Langlebigkeit fasziniert Menschen seit jeher – von Legenden über besonders alte Menschen bis zu den Sterbetafeln der Statistikämter. Heute lässt sich recht genau sagen, wie lange Menschen im Durchschnitt leben, wie viele dieser Jahre gesund verlaufen und wo die biologischen Grenzen liegen. Diese Seite ordnet die wichtigsten Zahlen und Forschungsergebnisse aus Biologie und Demografie ein.

Langlebigkeit und Longevity: zwei Wörter, ein Thema

Langlebigkeit ist der deutsche Begriff für das, was im Englischen Longevity heißt; auf dieser Website verwenden wir beide Wörter gleichbedeutend. Woher das Wort stammt und in welchen Zusammenhängen es auftaucht, erklärt die Seite darüber, was Longevity bedeutet.

In der Biologie beschreibt Langlebigkeit die Lebensdauer von Organismen, in der Demografie die Lebenserwartung einer Bevölkerung. Zwei Größen sollten Sie unterscheiden: Die mittlere Lebenserwartung gibt an, wie alt Menschen im Durchschnitt werden. Die maximale Lebensspanne beschreibt, welches Alter einzelne Menschen höchstens erreichen. Den großen Überblick über Forschung, Säulen und Praxis bietet die Hauptseite zu Longevity.

Wie hoch ist die Lebenserwartung in Deutschland, Österreich und der Schweiz?

Die amtlichen Statistikämter berechnen die Lebenserwartung aus sogenannten Periodensterbetafeln. Sie zeigen, wie alt ein Neugeborenes im Durchschnitt würde, wenn die Sterblichkeit des betreffenden Jahres sein ganzes Leben lang gleich bliebe. Sinkt die Sterblichkeit weiter, werden heute Geborene im Schnitt also älter als angegeben.

Land (Jahr 2025) Frauen Männer Quelle
Deutschland 83,6 Jahre 79,1 Jahre Destatis, Juli 2026
Österreich 84,6 Jahre 80,2 Jahre Statistik Austria, Juni 2026
Schweiz 86,3 Jahre 82,7 Jahre BFS, Juni 2026 (vorläufige Werte)

In Deutschland erreichten Frauen und Männer 2025 damit neue Höchstwerte. Auch mit 65 Jahren liegt im Schnitt noch ein langer Lebensabschnitt vor den Menschen: 65-jährige Frauen können laut Destatis mit weiteren 21,2 Jahren rechnen, gleichaltrige Männer mit 18,2 Jahren. Der Abstand zwischen den Geschlechtern beträgt bei Geburt in allen drei Ländern zwischen dreieinhalb und viereinhalb Jahren.

Gesunde Lebensjahre: die zweite wichtige Zahl

Ein langes Leben ist nicht automatisch ein gesundes. Deshalb veröffentlicht Eurostat zusätzlich die gesunden Lebensjahre, also die Jahre, die Menschen voraussichtlich ohne Einschränkungen im Alltag verbringen. Im EU-Durchschnitt lag dieser Wert für das Jahr 2023 bei 63,1 Jahren ab Geburt – deutlich weniger als die gesamte Lebenserwartung.

Diese Lücke zwischen Lebensjahren und gesunden Jahren ist der Kern der modernen Debatte um Langlebigkeit. Wie Sie im Alltag dazu beitragen können, möglichst lange fit und selbstständig zu bleiben, zeigt der Ratgeber zum gesunden Altern ab 40.

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Rekorde und Hundertjährige: Wie alt können Menschen werden?

Das höchste zuverlässig dokumentierte Lebensalter erreichte die Französin Jeanne Calment mit 122 Jahren. Ihr Alter wurde 1998 in der Fachzeitschrift Science anhand ziviler und kirchlicher Dokumente belegt. Als später Zweifel an ihrer Identität aufkamen, prüfte ein Forschungsteam die Archive erneut und bestätigte 2019 Identität und Alter. Nach den Modellrechnungen der Forschenden könnte statistisch etwa einer unter zehn Millionen Hundertjährigen 123 Jahre erreichen.

Hundertjährige selbst sind längst keine Seltenheit mehr. Ende 2024 lebten in Deutschland knapp 17.900 Menschen, die 100 Jahre oder älter waren, rund 84 Prozent davon Frauen. 1990 waren es erst etwa 2.600 (Daten des Statistischen Bundesamts, zusammengestellt vom GDV). Je mehr Menschen das hohe Alter erreichen, desto wichtiger wird die Frage, wie gesund diese Jahre verlaufen.

Gene oder Lebensstil: Wie viel Langlebigkeit ist erblich?

Wie stark die Gene über die Lebensdauer entscheiden, gehört zu den spannendsten Fragen der Altersforschung – und die Antworten haben sich verschoben. Ältere Zwillingsstudien schätzten den erblichen Anteil an den Unterschieden in der Lebensdauer auf 20 bis 25 Prozent. Große Auswertungen von Stammbäumen kamen zuletzt sogar auf unter zehn Prozent.

2026 legte ein Team des Weizmann-Instituts in Israel in der Fachzeitschrift Science eine neue Schätzung vor. Die Forschenden rechneten äußere Todesursachen wie Infektionen und Unfälle heraus, die in früheren Generationen häufig waren. Dann werteten sie große Zwillingsregister aus Schweden und Dänemark aus, darunter – erstmals in diesem Zusammenhang – getrennt aufgewachsene Zwillinge. Ergebnis: Rund 50 Prozent der Unterschiede in der Lebensdauer ließen sich genetisch erklären.

Was heißt das für Sie? Erblichkeit beschreibt Unterschiede innerhalb einer Bevölkerung, nicht das Schicksal eines einzelnen Menschen. Auch nach der neuen Schätzung bleibt rund die Hälfte der Unterschiede durch Umwelt, Lebensstil und Zufall bestimmt. Wie Umwelteinflüsse Spuren an den Genen hinterlassen, ohne die DNA-Sequenz zu verändern, erklärt die Epigenetik. Wie weit der Körper im Vergleich zum Kalender gealtert ist, beschreibt das Konzept biologisches Alter.

Blue Zones: Vorbild oder Mythos?

Als Blue Zones werden Regionen bezeichnet, in denen besonders viele Menschen sehr alt werden sollen. Meist genannt werden Teile Sardiniens, die japanische Inselgruppe Okinawa, die griechische Insel Ikaria, die Nicoya-Halbinsel in Costa Rica und die kalifornische Stadt Loma Linda. Den Menschen dort werden Gemeinsamkeiten zugeschrieben: viel Bewegung im Alltag, eine pflanzenbetonte Ernährung und enge soziale Bindungen.

Die Datengrundlage ist allerdings umstritten. Der Forscher Saul Newman analysierte Altersrekorde und fand Hinweise, dass extreme Altersangaben gehäuft dort auftreten, wo Geburtsregister lückenhaft waren. So stammen in den USA 82 Prozent der Datensätze von Über-110-Jährigen aus der Zeit vor einer flächendeckenden Geburtsregistrierung. Die Blue Zone in Nicoya schrumpfte nach Fehlerkorrekturen laut seiner Analyse um rund 90 Prozent. Die Arbeit ist bislang ein Preprint eines einzelnen Autors und unter Fachleuten umstritten.

Für Sie bedeutet das: Die Lebensgewohnheiten, die den Blue Zones zugeschrieben werden, sind plausibel und gut mit anderen Forschungsergebnissen vereinbar. Ein belegtes Rezept, um hundert Jahre alt zu werden, sind sie nicht.

Was die Zahlen für Ihren Alltag bedeuten

Statistiken über Durchschnitte und Rekorde zeigen vor allem eines: Die Spanne ist groß, und ein erheblicher Teil davon liegt nicht in den Genen. Bewegung, Ernährung, Schlaf, soziale Kontakte und Vorsorge sind die Bereiche, in denen Sie selbst ansetzen können. Konkrete, nach Studienlage sortierte Schritte finden Sie in unseren Tipps, um gesund länger zu leben. Untersuchungen und mögliche Nahrungsergänzungen besprechen Sie am besten ärztlich, vor allem bei Vorerkrankungen oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme.

Langlebigkeit live erleben

Wie sich Erkenntnisse aus der Langlebigkeitsforschung in Diagnostik, Prävention und neue Angebote übersetzen, ist Thema der Roadshow „Longevity – Die Zukunft beginnt heute“, des Vision Day im Estrel Berlin und der Online-Präsentationen der STG. Dort erhalten Sie Impulse zu neuen Technologien rund um Langlebigkeit und zu den wirtschaftlichen Perspektiven dieses Zukunftsmarkts.

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Häufige Fragen zu Langlebigkeit

Wie alt kann ein Mensch werden?

Das höchste zuverlässig belegte Alter sind 122 Jahre, erreicht von der Französin Jeanne Calment. Ihr Alter wurde anhand von Archivdokumenten geprüft und 2019 erneut bestätigt. Modellrechnungen der beteiligten Forschenden zufolge könnte statistisch etwa einer unter zehn Millionen Hundertjährigen 123 Jahre alt werden. Solche Lebensalter bleiben also extreme Ausnahmen.

Was ist der Unterschied zwischen Lebenserwartung und Lebensspanne?

Die Lebenserwartung ist ein Durchschnittswert: Sie gibt an, wie alt Menschen eines Jahrgangs oder einer Bevölkerung im Mittel werden, wenn die aktuellen Sterberaten gelten. Die maximale Lebensspanne beschreibt dagegen das höchste Alter, das einzelne Menschen erreichen. Für Longevity zählt zusätzlich die Zahl der gesunden Lebensjahre.

Wie viele Hundertjährige leben in Deutschland?

Ende 2024 lebten in Deutschland knapp 17.900 Menschen, die 100 Jahre oder älter waren. Rund 84 Prozent von ihnen sind Frauen. 1990 lag die Zahl erst bei etwa 2.600. Grundlage sind Daten des Statistischen Bundesamts, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft zusammengestellt hat.

Kann ich meine Langlebigkeit selbst beeinflussen?

Zum Teil. Selbst nach der höchsten aktuellen Schätzung erklären Gene nur etwa die Hälfte der Unterschiede in der Lebensdauer. Der Rest hängt von Umwelt, Lebensstil, medizinischer Versorgung und Zufall ab. Bewegung, Ernährung, Schlaf, Nichtrauchen und Vorsorge sind die Bereiche, in denen Sie ansetzen können – idealerweise in Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Quellen

  1. Lebenserwartung bei Geburt für Frauen und Männer im Jahr 2025 auf neue Höchstwerte gestiegen (Pressemitteilung Nr. 236) – Statistisches Bundesamt (Destatis) (2026)
  2. Österreich 2025 mit niedrigstem Bevölkerungswachstum seit 2009 (Pressemitteilung) – Statistik Austria (2026)
  3. Natürliche Bevölkerungsbewegung 2025: Definitive Ergebnisse (Medienmitteilung) – Bundesamt für Statistik (BFS) (2026)
  4. Eurostat-News: Gesunde Lebensjahre bei Geburt in der EU (Daten 2023) – Eurostat (2025)
  5. Update: Jeanne Calment, the oldest woman – Inserm (Pressemitteilung) (2019)
  6. Rethinking Longevity: Genes Matter More than We Thought – Weizmann Institute of Science (zu Shenhar et al., Science) (2026)
  7. Das sind die Hundertjährigen in Deutschland – Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), dieversicherer.de (2026)
  8. Supercentenarian and remarkable age records exhibit patterns indicative of clerical errors and pension fraud – bioRxiv (Preprint, S. J. Newman) (o. J. (Preprint, Version 4))

Stand: 4. November 2026 · Redaktion longevity-firma.de. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Hinweise zu Fehlern nehmen wir gern über die Kontaktdaten im Impressum entgegen.

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